Meine erste WG

Wohngemeinschaft

Als ich 15 war, hatte ich schon große Pläne mit meiner besten Freundin in eine gemeinsame Wohnung zu ziehen. Die Vorstellung frei zu sein und machen zu können, was man will, war einfach zu schön. Mit meiner Mutter habe ich mich während meiner Pubertät gar nicht gut verstanden und so gab es zu Hause eigentlich regelmäßig Zoff und Streit und ich war einfach nur genervt.

Also haben meine Freundin und ich uns ausgemalt, wie es wäre, in einer eigenen Wohnung zu wohnen und haben fast täglich die Wohnungsanzeigen durchforstet. Wie wir das bezahlen sollen ohne Job und Sicherheiten und vor allem ohne Einverständnis der Eltern, war erstmal egal. Die Vorfreude war größer und damals hatten wir noch die Hoffnung, dass unsere Eltern die Miete für uns übernehmen würden.

Nachdem wir aber unsere Idee offenbart hatten, ist der Traum  schneller geplatzt als wir gucken konnten. Unsere Eltern waren natürlich überhaupt nicht einverstanden ihre Teenie-Töchter ausziehen zu lassen und haben uns schnell einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der Frust zu Hause war dann natürlich noch größer und ich habe mir geschworen, sobald ich 18 bin werde ich ausziehen.

Nach dem Abi hat sich dann für mich ein Auslandsjahr ergeben. So musste die WG-Planung erstmal warten, aber ein Jahr später war es dann soweit. Als ich aus Amerika zurückgekommen bin, war es furchtbar wieder bei meinen Eltern einzuziehen. Immerhin habe ich schon ein Jahr selbstständig gelebt und wollte mir nicht wieder die Ratschläge meiner Eltern anhören und nach ihren Hausregeln leben. Also habe ich das Internet durchforstet und nach WGs in meinen Lieblingsvierteln gesucht.

Das finanzielle war mittlerweile auch kein Problem mehr. Ich habe einen gut bezahlten Nebenjob bekommen, sowie mein Kindergeld und Bafög für mein Studium. Damit konnte ich gut im Monat über die Runden kommen und ein Zimmer für 300 Euro war kein Problem.

Ich habe mich insgesamt für 3 verschiedene WGs beworben und “Interviews” mit den Mitbewohnern gehabt. Das war ziemlich aufregend, weil man ja nie weiß, wem man begegnet und wie die Leute so drauf sind. Was wollen die von mir wissen? Bin ich zu spießig oder unsympathisch? Die meisten Gespräche waren relativ schnell vorbei und haben sich auf das wesentliche beschränkt: wie heißt du, was machst du und wie finanzierst du das Zimmer.

Bei den ersten beiden habe ich dann auch prompt eine Absage bekommen, weil sie sich für jemand anderen entschieden haben.

Bei meiner letzten WG war das dann anders. Da habe ich nämlich nicht meine zukünftigen Mitbewohner getroffen, sondern die Vormieterin, die die Wohnung los werden wollte und nun Nachmieter gesucht hat. Es sollte eine zweier WG werden mit “Mitbewohner Unbekannt”. Mit ihr lag ich aber gleich auf einer Wellenlänge. Wir haben zusammen in der Küche Tee getrunken und uns ewig über Gott und die Welt unterhalten. Nach einer Stunde musste ich dann los, aber hatte ein super Gefühl und war mir ziemlich sicher, dass ich das Zimmer kriegen würde.

Allerdings hat sich die Vormieterin ziemlich viel Zeit mit der Antwort gelassen und mich ständig vertröstet, dass sie sich zwischen drei Kandidaten entscheiden müsse.

Nach quälenden zwei Wochen hatte ich dann aber endlich meine Antwort. Sie hat mich auf dem Handy angerufen und mir gesagt, dass ich einziehen darf. Die Freude war riesig, ich bin durch die Gegend gehüpft und hätte am liebsten alle umarmt.

Zum Anfang des Monats bin ich dann auch direkt eingezogen und habe mein Zimmer ganz nach meinem Geschmack eingerichtet. Das spannendste war dann aber mein neuer Mitbewohner. Ich wusste nur, dass es ein Mann in meinem Alter war und er aus München kommt. Er kam erst ein paar Tage nach mir in die Wohnung und die Spannung war riesengroß.

Als der Tag dann da war, habe ich mich in meine besten Klamotten geschmissen und ihn und seine Freundin an der Tür in Empfang genommen. Wir haben uns auf den ersten Blick verstanden und waren uns total symphatisch. Besser hätte ich es echt nicht treffen können und als Duo haben wir dann ein Jahr in unserer ersten WG zusammengelebt. Danach haben wir entschieden, eine größere Wohnung zu suchen und noch einen dritten Mitbewohner einziehen zu lassen.

So haben wir dann insgesamt 4 Jahre zusammengewohnt und ich habe keine Sekunde davon bereut. Es gab einmalige Parties, viel Gelächter, Spaß und Freude und ich möchte diese Zeit nie wieder missen.

Danke an meine tolle WG für diese unvergessliche Zeit!

 

Bildquelle: Jaro (CC BY-SA 3.0)

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