Mein erster Urlaubsflirt

Urlaubsflirt

Es war der letzte Tag meines Urlaubs in Nordafrika. Ich hatte im Hotel ein paar nette Leute kennengelernt, Angestellte. Oft kriegt man dort als Mädchen gesagt “You are beautiful” und sowas. Ich weiß, dass man auf sowas nichts geben sollte, aber irgendwie brauchte das mein Selbstbewusstsein.

Vielleicht erstmal zu mir: Ich bin 16 Jahre alt. Blond und naja…ich fühle mich in meiner Haut nicht sonderlich wohl, ich bin 168cm groß und wiege dabei 63kg. Viel zu viel, meiner Meinung nach. Naja egal, auf jeden Fall kann man sich da denke ich mal vorstellen, dass mir diese Komplimente da schon gefallen haben, obwohl ich mir denken konnte, dass ich garantiert nicht die Einzige bin, der sie das am Tag sagen.

Ich kriegte von zwei Angestellten, einem Kellner und einem “Putzboy” gesagt, wie wunderschön ich sei. Mit zwei anderen, einem anderen Barmann und einem Bademeister, hatte ich recht guten Kontakt, ich unterhielt mich mit ihnen und lachte viel. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich allerdings noch nicht erahnen, wie sich die ganze Geschichte entwickelt.

Erstmal zu dem Bademeister: Total nett, so 25, groß und leicht breit. Meine Mama sagte “wie ein Bär”. Das triffts eigentlich ziemlich gut, er war total gutmütig und lieb. Nach der ersten Woche wechselte er den Pool, als wir ihn später besuchen kamen sagte er, dass er seinen alten Arbeitsplatz vermisst. Er stand am Rutschenpool und als ich die letzte meiner Familie war, die rutschen wollte, sagte er zu mir: “I like you.” Okay, er mag mich… Naja was soll ich antworten? Ich mag ihn ja eigentlich auch…: “I like you too”, erwiderte ich. Ich dachte mir, was ist schon dabei? In ein paar Tagen bist du wieder weg. “Really?” fragte er mit großen Augen und schaute mich an und sagte dann: “I love you”. Wenn ich sowas höre, setzt mein Gehirn irgendwie aus. Als ob er mich wirklich lieben würde und ich konnte ja auch nicht sagen, dass ich ihn liebe, so war es ja einfach nicht. Also sagte ich ihm, dass ich ihm nicht glaube, wir würden uns doch gar nicht kennen. Viel mehr ist da auch nicht mehr passiert.

Am gleichen Tag aber spielte sich noch etwas ganz anderes ab, vorher aber ein wenig Vorgeschichte: Es gab da diesen Barmann, von dem ich gerade gesprochen habe. Ich muss zugeben, dass ich es darauf angelegt habe. Er umarmte gefühlte 1000 Mal mehrere Mädchen am Tag, nur mich nicht. Da dachte ich mir: “Okay, das muss geändert werden!” Also ging ich öfter als nötig an die Bar und trank etwas, lächelte ihn an. Da er ohnehin ständig mit Mädchen flirtete, war ich irgendwann keine Ausnahme mehr. Am drittletzten Tag sagte er schließlich morgens, als wir alleine waren: “I very very like you”. Sein Englisch war nicht so toll. Irgendwie verwirrte mich das, also bedankte ich mich und ging weg. An den folgenden beiden Tagen nahm er mich öfters mal an die Hand und umarmte mich auch. Er war 22, wie er mir sagte. Am Abend des vorletzten Tages waren wir erneut alleine und er schenkte mir einen Ring, den er vorher getragen hatte. Er sagte, er hätte den gleichen. Vorher hatten wir unsere E-Mail-Adressen getauscht, er wollte ja auch nach meinem Urlaub mit mir in Kontakt bleiben. Er ging weg, aber nach zehn Minuten kam er wieder und stand vor mir, ohne etwas zu sagen.

Ich muss dazu sagen, dass er ein absolut lebensfroher Mensch war, er lächelte immer, machte Scherze… Und er hatte ein wirklich schönes Lächeln. In dem Moment lächelte er aber nicht, was mich leicht verwirrte. Dann sagte er etwas, was ich an diesem Tag schon einmal gehört hatte: “Really…….I love you”. Das kam wirklich überraschend, aber diesmal dachte ich mir, wenn ich mich entscheiden müsste zwischen ihm und dem Bademeister würde ich jederzeit ihn nehmen. Also tat ich etwas total Unüberlegtes: “I love you too”. Um Himmels Willen, natürlich tat ich das nicht. Andererseits glaube ich auch nicht, dass er die Wahrheit gesagt hat. Man sah ihm seine Überraschung an. Das nächste, was er sagte, machte mir wirklich Angst: “I want to see you… at 7 p.m.?”. Oh mein Gott, das kann ich nicht machen. Also sagte ich ihm, ich hätte keine Zeit, was nicht einmal gelogen war. Er ließ mich dann auch in Ruhe. Am nächsten Tag steckte er mir nochmals eine Serviette zu, auf der stand: “Liebe dich so sehr!”. Das war schon süß.

Sein Lächeln sah ich den ganzen Tag lang nicht. Ich fragte ihn mehrmals, ob alles gut sei, aber dann antwortete er nur mit einem Kopfschütteln und sagte “I miss you so!”. Naja, was sollte ich sagen, ich vermisste ihn auch, ich vermisste sein Lächeln.

Später am Tag war dann der Zeitpunkt gekommen, an dem wir uns verabschieden mussten. Er arbeitete an einer anderen Bar, an der ich und meine Schwester saßen. Ich deutete ihm an, dass ich gehen muss, woraufhin er mir wieder einen Zettel gab, auf dem “See you at 19.00” stand. Das konnte ich nicht bringen, also sagte ich, dass ich noch meine Koffer packen muss usw. Das stimmte sogar. Ich musste ihm das mehrmal erklären, man konnte richtig sehen, wie er überlegte. Schließlich sagte er “Okay. Bye.”.

Seine Reaktion verwirrte mich, aber dann habe ich doch die Bar verlassen. Als ich mich nach einigen Metern umdrehte, stand er neben mir und nahm in aller Öffentlichkeit meine Hand. Ist so etwas Angestellten erlaubt? Ich würde mal sagen: Nein.

Wir gingen zurück in Richtung der Liegen, aber er sagte nichts. Da meine kleine Schwester noch dabei war, schloss ich darauf, dass er mit mir alleine sein wollte, obwohl meine Schwester selbstverständlich nicht verstehen würde, was wir reden, auf Englisch.

Ich schickte meine Schwester weg und er zog mich in die andere Richtung, von unseren Liegen weg zu den Toiletten, vor denen wir stehen blieben. Jetzt noch einmal kurz etwas zu mir: Ich hatte noch nie einen Freund, dementsprechend auch noch nie einen Jungen geküsst, geschweige denn mit einem geschlafen. Es ärgerte mich, gleichzeitig warte ich auf meinen “Traummann”. Ich war bzw. bin vielleicht sogar noch der Ansicht, dass es da draußen jemanden für mich gibt, der mich richtig liebt. Idealerweise würde ich mit ihm meinen ersten Kuss, mein erstes Mal erleben und für immer mit ihm zusammen bleiben. Seit ca. 2 Jahren hatte ich mich in einen…ja, Mann muss man schon sagen, verschaut. Keine große Liebe, eher Bewunderung. Problem war oder ist nur, dass er 7 Jahre älter ist als ich. Mist. Und offensichtlich hat er überhaupt kein Interesse an Mädchen oder Frauen, aber auch nicht an Männern. Mist!

Obwohl ich es mir immer schön vorstellte, den ersten Kuss und das erste Mal, hatte ich Angst vor beidem. Wie küsst man überhaupt? Ich küsse bestimmt nicht gut. Hoffentlich küsst er mich nicht mit Zunge. Hoffentlich ist es romantisch. Hoffentlich blamiere ich mich nicht.

Als der Barmann mich schließlich bei den Toiletten geküsst hat, setze mein Denken wirklich aus. Ich sah wahrscheinlich unmöglich aus in dem Moment. Ich weiß noch, dass meine Augen weit geöffnet waren. Ich war überrascht und wusste überhaupt nicht, was ich machen sollte. Er hatte seinen Kopf nach links gelegt und hatte seinen Mund unglaublich weit auf, ließ seine Lippen immer wieder zu meinen gleiten. Besonders feucht war der Kuss nicht, komischerweise. Wenn ich den Kuss überhaupt erwidert habe, dann erst am Ende.

Wusste ich, wie man küsst, als es passiert ist? Nein. Hat es trotzdem geklappt? Nee. War es romantisch? Himmel, es war bei den Toiletten und meine Augen waren geöffnet! Nein! Hab ich mich blamiert? Ähm ich würde mal auf JA! tippen.

Also absolut nicht der Kuss, den ich mir vorgestellt habe. Danach sagte er wieder, dass er mich sehen will. Ich musste ihm unzählige Male sagen, dass ich keine Zeit habe. Schließlich änderte er seine Taktik und meinte, dass er dann noch jetzt fünf Minuten mit mir haben möchte. Mich küssen. In der Toilette.

Ich hatte unglaubliche Angst. Zum Einen vor dem Küssen, was dann wirklich noch mal geschehen würde. Ich wollte ihn nicht noch mal küssen, das erste Mal war ja schon schrecklich. Außerdem, konnte er überhaupt gut küssen? Keine Ahnung, ich hatte ja dummerweise keinen Vergleich. Und dann war da noch die Angst, was er mit mir anstellen könnte. Ich meine, er war nett und lieb und so, aber alleine in der Toilette? Und dann hatte ich noch bemerkt, dass sein Lächeln verschwunden war. Als es noch “locker” zwischen uns war, hat er immer gelächelt. Das Lächeln, wegen dem ich ihn so mochte, was ihn so liebenswürdig machte. Aber das war nicht mehr da und ohne das machte er mir Angst.

Anscheinend bemerkte er meine Angst, er sagte “Only kissing”. Klar, das kann man immer gut sagen. Irgendwie schaffte ich es dann wegzugehen, nachdem ich ihm erneut klarmachen musste, dass ich keine Zeit habe. Resigniert meinte er “Okay, you are free”. Mit diesen Worten verschwand er in der Toilette. Natürlich folgte ich ihm nicht.

Rückblickend, nun ein paar Tage her, hatte ich mich wirklich dumm benommen, ich hatte ihn ja quasi provoziert. Aber dass es so aus dem Ruder laufen würde, hatte ich nicht geahnt. Kontakt wollte ich mit ihm aufnehmen, als ich wieder zuhause war, aber das hat nicht funktioniert, zumindest bis jetzt nicht. Trotzdem bin ich froh, den ersten Kuss hinter mir zu haben. Er war zwar alles andere als toll, aber trotzdem.

Ich hoffe, dass der nächste Kuss mit jemand ganz Besonderem ist. Ich hoffe, dass nächstes mal meine Augen geschlossen sind. Und dass er nicht so wild ist. Es soll einfach schön werden.

Angst vor dem ersten Kuss? Nö, nicht mehr. Angst vor dem zweiten Kuss? Ein bisschen.

(Bildquelle: AleksandraGabriela, CC BY 2.0 @Flickr)

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